Manche Anfragen merkt man sofort: Die kommt nicht, weil du „irgendwas“ kannst – sondern weil du als Fachmann auffällst.
So war es auch bei mir.
Ich bin Baugutachter und Immobiliensachverständiger. Ich begleite Menschen und Unternehmen, wenn es unübersichtlich wird: wenn Fragen im Raum stehen, wenn Entscheidungen teuer werden können – und wenn jemand gebraucht wird, der ruhig bleibt, sauber prüft und Klartext spricht.
Und dann kam irgendwann die Anfrage von Hanna Adugna: Ob ich mir vorstellen könnte, im Rahmen eines TV-Projekts in meinem Tagesgeschäft begleitet zu werden – gemeinsam mit filmreifTV.
Ich gebe zu: Mein erster Gedanke war nicht „Oh wie glamourös“.
Mein erster Gedanke war: „Wie soll das funktionieren?“
Denn mein Alltag ist nicht „Kamera an, Bühne frei“.
Mein Alltag ist: ansehen, messen, bewerten, erklären – und zwar so, dass es verständlich, nachvollziehbar und fair bleibt.
Und genau da beginnt das Spannende.
Berlin. Innenstadt. Und plötzlich schauen alle.
Einer der Drehtage führte uns direkt nach Berlin – mitten in die City.
Wer Berlin kennt, weiß: Selbst wenn man dort versucht, unauffällig zu sein… gelingt das selten.
Wir haben Einspieler gedreht, mitten im Trubel.
Und auf einmal stehst du da, machst „dein Ding“ – und merkst: Die Augen sind auf dich gerichtet. Nicht nur die vom Team, sondern von Menschen, die vorbeigehen, stehenbleiben, gucken.
Für jemanden wie mich, der sonst lieber auf den Konstruktionsbereich schaut als in eine Linse, ist das… nennen wir es: eine neue Disziplin.
Ich kann fachlich sauber erklären – aber im Alltag erkläre ich dem Menschen neben mir, direkt am Objekt.
Beim Dreh ist es anders: Du sollst präsent sein, klar sein, dabei natürlich bleiben – und gleichzeitig passieren 20 Dinge parallel: Ton, Licht, Perspektive, Wiederholung, Timing.
Berlin war einer dieser Momente, wo ich dachte:
„Okay Stefan, du bist heute nicht nur Sachverständiger – du bist auch Teil einer Inszenierung. Und du musst lernen, das auszuhalten, ohne dich zu verbiegen.“
Der ungewohnte Teil: Körpersprache, Blick, Worte
Was mich am meisten überrascht hat: Nicht das Equipment. Nicht die Organisation.
Sondern die Feinheiten.
Zum Beispiel:
Im normalen Alltag schaue ich nicht in eine Kamera, wenn ich etwas erkläre.
Ich schaue auf das, worüber ich spreche. Auf den Bereich, um den es geht. Auf Details.
Beim Dreh kommt dann so etwas wie:
„Bitte nochmal – aber diesmal mit Blick zur Kamera.“
Und du merkst plötzlich, wie ungewohnt das ist.
Denn fachliche Erklärung lebt von Bezug: von dem, worauf man zeigt, was man beschreibt, wie man es einordnet.
Dann gibt es noch die Sprache.
Ich nutze im Alltag ganz selbstverständlich Sätze wie:
„Wie ich eben schon sagte…“
„Wie bereits telefonisch besprochen…“
Nur: Der Zuschauer war bei diesem „eben“ nicht dabei.
Und das Telefonat hat er auch nicht geführt.
Also wird dir klar: Beim Dreh musst du so sprechen, als wäre alles neu – selbst wenn du es gerade zum dritten Mal erklärst. Und du musst dabei trotzdem echt bleiben.
Und dann kommt die nächste Herausforderung:
Du verlierst schnell den Überblick.
Was wollte ich wann wo wie sagen?
Habe ich das schon erklärt?
Warum möchte der Chefautor die Aussage nochmal – nur in einem anderen Setting?
Ganz ehrlich: In solchen Momenten fragt man sich irgendwann innerlich:
„Habe ich das nicht schon dreimal gesagt – und zwar exakt so?“
Wiederholen, neu denken – und trotzdem du selbst bleiben
Hier muss ich dem Team wirklich Respekt zollen.
Denn was ich immer wieder gemerkt habe: Der Chefautor Dany wusste ganz genau, was er tat.
Was er brauchte. Was er wollte. Und warum.
Ich glaube, manchmal auch zum Leid der Kamera- und Tonleute – denn Wiederholungen sind für alle anstrengend.
Aber genau da merkst du: Das ist kein „mal eben mitlaufen“. Das ist präzise Arbeit.
Und du als „Hauptdarsteller“ (ja, so fühlt es sich in dem Moment an) musst lernen, zwei Dinge gleichzeitig zu schaffen:
konstant fachlich sauber bleiben,
und dabei kameratauglich sprechen, stehen, reagieren.
Das klingt leichter, als es ist.
Körperlich fordernd – und am Ende komplett platt
Was viele unterschätzen: Solche Drehtage ziehen sich.
Nicht „eine Stunde, ein paar Shots, fertig“. Sondern oft über den gesamten Tag.
Du bist die ganze Zeit „an“.
Du achtest auf Sprache, Haltung, Präsenz. Du wartest, du wiederholst, du konzentrierst dich.
Und am Ende merkst du: Das war nicht nur mental – das war körperlich.
Ich war nach dem Drehtag wirklich platt.
Komplett.
Aber gleichzeitig war da dieses Gefühl:
„Das war außergewöhnlich. Das erlebt man nicht jeden Tag.“
Skurrile Momente – und die Frage: Wie reagierst du richtig?
Und dann gibt es diese Situationen, die du nicht planst.
Ein Moment ist mir besonders hängen geblieben:
Eine Kundin aus Hamm brach in Tränen aus, weil ihr die Situation emotional sehr nah ging.
Und plötzlich stehst du da – als Mensch und als Sachverständiger – und stellst dir Fragen, die du im Alltag in dieser Form nicht hast:
Tröstest du?
Hältst du Abstand?
Darf man jemanden in den Arm nehmen, wenn gerade gedreht wird?
Was ist professionell – und was ist menschlich notwendig?
Mein Instinkt war klar: Menschlich reagieren.
Aber in der Situation merkst du: Da läuft gerade mehr als nur ein Gespräch. Da läuft ein Dreh. Da gibt es Absprachen, Rollen, Verantwortlichkeiten.
Das sind die Momente, in denen man realisiert:
Ein TV-Projekt ist nicht nur „Kamera läuft“.
Es ist eine eigene Welt – mit eigenen Regeln, die du erst beim Mitmachen wirklich verstehst.
Die größte Spannung: Was wird am Ende daraus?
Nach so vielen Szenen, Wiederholungen, Perspektiven und Momenten kommt bei mir vor allem eins:
Spannung.
Was wird daraus gemacht?
Was wird gezeigt?
Wie wird es dargestellt?
Denn du bist zwar dabei – aber du siehst nicht das Gesamtbild.
Du siehst nur einzelne Teile. Und das Endprodukt entsteht später.
Was ich aber jetzt schon sagen kann:
Diese Begleitung hat mir nochmal deutlich gemacht, wie viel in meinem Alltag eigentlich passiert – und wie viel davon man erst erkennt, wenn man gezwungen ist, es anders zu erklären.
Und auch wenn wir inhaltlich aktuell noch nichts vorwegnehmen dürfen:
Ich freue mich auf den Moment, an dem wir mehr dazu sagen können – mit dem offiziellen Okay.
Danke an filmreifTV – und ein Hinweis für Betroffene
Ein großes Dankeschön geht an filmreifTV und auch Oliver Gäbel sowie unserem Dany – für die professionelle Begleitung, die Geduld und den Blick fürs Detail.
Und ja: Auch dafür, mich immer wieder in Situationen zu bringen, die sich erst „befremdlich“ anfühlen – und dann genau deshalb wachsen lassen.
Wenn du aktuell von Bauschäden, Baumängeln oder unklaren Situationen am Gebäude betroffen bist und eine fachlich saubere Einschätzung brauchst:
Du kannst dich gerne bei mir melden.
Und wenn du unabhängig davon ein Anliegen hast, bei dem du glaubst, dass es in dieses TV-Projekt passen könnte:
Auch dann kannst du dich – je nach Thema und Rahmen – gern bei mir oder direkt bei filmreifTV melden.
(Alles Weitere nur im zulässigen Rahmen und nach Abstimmung.)
Mehr Einblicke folgt, sobald wir es dürfen.
