25 Jahre Sprint: Menschen hinter der Schadenregulierung

25 Jahre Sprint: Menschen hinter der Schadenregulierung

Hinter Schadenakten stehen Menschen – was mir 25 Jahre Sprint über Zusammenarbeit in der Schadenregulierung gezeigt haben

Ein persönlicher Rückblick auf die 25-Jahre-Jubiläumsveranstaltung von Sprint im Raum Ulm – über Birkenstock-Sandalen an der Decke, ein Südtirol-Motto mit unerwarteter Bedeutung, Fachlichkeit, Verlust und die Menschen hinter Schadenprozessen.

Als ich den Veranstaltungsraum betrat, verstand ich zunächst einmal gar nichts.

An der Decke hingen Birkenstock-Sandalen.

Das Motto der Veranstaltung lautete Südtirol.

Und später sollten sogar noch goldene Birkenstock-Sandalen überreicht werden.

Ich war eingeladen worden, im Rahmen des 25-jährigen Sprint-Jubiläums einen Fachvortrag zu halten. Mein Thema war eigentlich sehr technisch: Schäden an Polycarbonat-Stegkammerplatten, ihre strukturierte Untersuchung vor Ort und der Übergang zu weiterführender Spezialdiagnostik und Laboranalyse.

Mit Birkenstock und Südtirol konnte ich dazu beim besten Willen noch keine Verbindung herstellen.

Die Erklärung kam mit der Eröffnung der Veranstaltung.

Und sie hat meinen Blick auf diesen Tag – aber auch ein Stück weit auf das Unternehmen Sprint – verändert.

Warum Südtirol? Hinter dem Motto stand eine persönliche Geschichte

In der Eröffnungsrede wurde erläutert, warum gerade Südtirol zum Motto dieses Jubiläums geworden war.

Die Geschichte führte zu einem Mann zurück, der die Ulmer Niederlassung offenbar entscheidend mitgeprägt hatte.

Im Laufe des Tages erzählten mir mehrere Teilnehmer von ihm.

Es muss ein echtes Original gewesen sein.

Eine dieser Geschichten handelte von seinen Birkenstock-Sandalen. Die soll er mit großer Konsequenz getragen haben – offenbar selbst dann, wenn draußen Winter und Schnee herrschten.

Plötzlich verstand ich zumindest die Sandalen an der Decke.

Aber hinter der Dekoration steckte noch eine viel wichtigere Geschichte.

Dieser Mann hatte seinen Kollegen offenbar immer wieder angekündigt, dass er kurz vor seiner Rente alle einpacken und mit ihnen nach Südtirol fahren würde.

Keine Strategietagung.

Kein Seminar.

Sondern, so wurde es erzählt, eine richtige gemeinsame Sause.

Dazu kam es nicht mehr.

Er verstarb kurz vor seinem Ruhestand.

Das Südtirol-Motto der Jubiläumsveranstaltung war damit nicht einfach eine kreative Idee für eine Feier.

Es war Erinnerung.

Es war eine Art, einen Menschen noch einmal in diesen Tag hineinzuholen, der zu dieser Unternehmensgeschichte offensichtlich dazugehört.

Und plötzlich ergaben die Birkenstock-Sandalen an der Decke, das Südtirol-Thema und auch die goldenen Sandalen einen völlig anderen Sinn.

Auf einmal war Sprint für mich nicht mehr nur ein Unternehmen

Dieser Moment hat mich stärker getroffen, als ich erwartet hätte.

Vielleicht auch deshalb, weil ich selbst erst wenige Tage zuvor eine gute Geschäftsfreundin verloren hatte.

Verlust war für mich deshalb in diesem Moment nichts Abstraktes.

Ich konnte sehr unmittelbar nachvollziehen, was es bedeutet, wenn im beruflichen Umfeld plötzlich jemand fehlt, der über Jahre oder Jahrzehnte selbstverständlich dazugehört hat.

Und damit veränderte sich für mich die gesamte Perspektive auf diese Jubiläumsveranstaltung.

Bis dahin war Sprint für mich vor allem etwas, das mir aus meinem beruflichen Alltag bekannt war.

Ein Sanierungsunternehmen.

Ein Partner, der gerade im Umfeld von Versicherern und Schadenfällen immer wieder auftaucht.

Ein Name auf Angeboten.

Auf Kalkulationen.

In Schadenunterlagen.

In E-Mails.

In Abstimmungen.

So entstehen im Arbeitsalltag automatisch Bilder von Unternehmen.

Man kennt eine Funktion.

Man kennt eine Leistung.

Man kennt vielleicht einzelne Ansprechpartner.

Aber man kennt deshalb noch lange nicht die Menschen und die Geschichte dahinter.

Am Freitag wurde genau diese Distanz plötzlich kleiner.

In der Schadenregulierung machen wir Menschen schnell zu Funktionen

Vielleicht ist das sogar ein grundsätzliches Problem unserer Branche.

Wir sprechen ständig über:

den Versicherer.
den Regulierer.
den Sachverständigen.
den Sanierer.
den Handwerker.
die Agentur.
die Schadenabteilung.

Das ist verständlich.

Schadenprozesse sind arbeitsteilig organisiert. Jeder hat seine Aufgabe, seinen Verantwortungsbereich und seine Perspektive.

Aber diese Sprache führt auch dazu, dass aus Menschen sehr schnell Funktionen werden.

Dann liefert „der Sanierer“ einen Nachtrag.

„Der Versicherer“ fordert Unterlagen.

„Der Sachverständige“ soll eine Ursache beurteilen.

„Der Regulierer“ braucht eine Entscheidung.

Im konkreten Schadenfall ist diese Reduktion oftmals notwendig, damit Prozesse überhaupt funktionieren.

Sie zeigt aber eben nicht die ganze Wirklichkeit.

Hinter einem Angebot sitzt ein Mensch.

Hinter einer Entscheidung ebenso.

Und auch hinter einer Meinungsverschiedenheit, einer Rückfrage oder einem Problem im Schadenprozess stehen Menschen mit eigener Erfahrung, Verantwortung, Druck und Erwartungen.

Das klingt banal.

Im täglichen Geschäft verliert man diesen Gedanken erstaunlich schnell aus dem Blick.

An diesem Tag bekamen Funktionen Gesichter

Genau deshalb waren für mich auch die Gespräche neben dem eigentlichen Vortragsprogramm wertvoll.

Ich habe Unternehmer aus dem Sprint-Umfeld kennengelernt, mit technischen Verantwortlichen gesprochen, Menschen aus unterschiedlichen Niederlassungen und Funktionen getroffen und mich mit Sachverständigenkollegen ausgetauscht.

Darunter waren Begegnungen, zu denen es in einem normalen Schadenfall wahrscheinlich nie gekommen wäre.

Man spricht dort anders miteinander.

Nicht über Position 17 eines Angebots.

Nicht über eine offene Rechnung.

Nicht über die nächste Rückfrage im Schadenfall.

Sondern über Arbeit.

Über Erfahrungen.

Über Unternehmen.

Und teilweise einfach über das Leben.

Aus einer Funktion wird ein Mensch.

Und genau das verändert auch die spätere Zusammenarbeit.

Nicht deshalb, weil fachliche Anforderungen plötzlich unwichtiger werden.

Im Gegenteil.

Aber man versteht besser, wer auf der anderen Seite sitzt.

Fachlich ging es um Polycarbonat-Stegkammerplatten

Natürlich hatte der Tag auch eine sehr konkrete fachliche Seite.

In meinem Vortrag ging es um die strukturierte Untersuchung von Schäden an Polycarbonat-Stegkammerplatten.

Gerade nach Hagelereignissen kann schnell die Vermutung entstehen, dass sichtbare Schäden eindeutig einer bestimmten Ursache zugeordnet werden können.

So einfach ist die Realität aber nicht immer.

Deshalb beschäftigte sich mein Teil unter anderem mit der Frage, wie ein Schadenfall vorbereitet wird, welche Beobachtungen bei der Untersuchung vor Ort relevant sind, wie Indizien eingeordnet werden können und welche Proben für eine weiterführende Untersuchung überhaupt sinnvoll sind.

Anschließend wurde die Perspektive durch die labortechnische Untersuchung ergänzt.

Und genau darin steckt ein Prinzip, das für viele komplexere Gebäudeschäden gilt:

Vor-Ort-Untersuchung und Laboranalyse sind keine getrennten Welten.

Eine Laboruntersuchung wird nicht dadurch gut, dass man lediglich irgendeine Probe einsendet.

Entscheidend ist vielmehr, welche Fragestellung beantwortet werden soll, welche Informationen vorher erhoben wurden und welches Material für eine weiterführende Untersuchung ausgewählt wird.

Bei komplexen Schadenbildern entstehen belastbare Entscheidungen deshalb häufig an Schnittstellen.

Zwischen Sachverständigenpraxis und Spezialdiagnostik.

Zwischen Baustelle und Labor.

Zwischen technischer Bewertung und Schadenregulierung.

Und eben auch zwischen Menschen.

Vielleicht war das die eigentliche Verbindung dieses Tages

Je länger ich im Nachhinein über diese Veranstaltung nachdenke, desto interessanter finde ich genau diese Verbindung.

Mein Vortrag beschäftigte sich fachlich mit der Frage:

Welche Information benötigen wir, um einen Schaden belastbar beurteilen zu können?

Die Veranstaltung selbst hat mir noch eine zweite Frage mitgegeben:

Wie gut kennen wir eigentlich die Menschen, mit denen wir diese Informationen austauschen und Entscheidungen treffen?

Denn auch der beste Schadenprozess funktioniert nicht ausschließlich über Daten.

Informationen müssen erhoben werden.

Sie müssen verstanden werden.

Jemand muss erkennen, was fehlt.

Jemand muss entscheiden, wann eine weitere Untersuchung erforderlich wird.

Menschen müssen miteinander kommunizieren.

Und sie müssen unterschiedliche fachliche Perspektiven zusammenbringen.

Das gilt heute.

Und es wird aus meiner Sicht auch dann noch gelten, wenn Digitalisierung, strukturierte Gebäudedaten und künstliche Intelligenz in der Schadenregulierung eine immer größere Rolle spielen.

Digitalisierung darf Prozesse effizienter machen – Menschen aber nicht unsichtbarer

Gerade aktuell beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage, wie Informationen in Schadenprozessen besser strukturiert und genutzt werden können.

Wie können unnötige Rückfragen reduziert werden?

Wie entstehen früher belastbare Entscheidungsgrundlagen?

Wo kann KI unterstützen?

Welche Daten brauchen Sachverständige, Regulierer oder Sanierungsunternehmen tatsächlich?

All das sind wichtige Fragen.

Aber vielleicht gehört noch eine weitere dazu:

Wie schaffen wir bessere Prozesse, ohne die Menschen dahinter aus dem Blick zu verlieren?

Denn Effizienz und Menschlichkeit sind keine Gegensätze.

Ein guter Prozess kann Menschen sogar entlasten.

Er kann Missverständnisse reduzieren.

Er kann dafür sorgen, dass Fachleute ihre Zeit dort einsetzen, wo ihre Erfahrung tatsächlich benötigt wird.

Dafür müssen wir allerdings verstehen, dass ein Schadenprozess nicht nur aus einzelnen Prozessschritten besteht.

Er besteht aus Schnittstellen.

Und an jeder dieser Schnittstellen arbeiten Menschen.

Was von 25 Jahren Sprint für mich bleibt

Ich bin zu dieser Veranstaltung gefahren, um einen Fachvortrag zu halten.

Ich bin mit vielen fachlichen Gesprächen, neuen Kontakten und interessanten Eindrücken zurückgefahren.

Aber eine Geschichte ist besonders hängen geblieben.

Ein Mann mit Birkenstock-Sandalen.

Eine Reise nach Südtirol, die nicht mehr gemeinsam stattfinden konnte.

Und Kollegen, Mitarbeiter und Wegbegleiter, denen auch Jahre gemeinsamer Arbeit anzusehen war.

Für mich hat dieser Moment etwas verändert.

Sprint ist für mich seitdem nicht mehr ausschließlich ein Unternehmen, dessen Name mir in Schadenakten, Angeboten oder Kalkulationen begegnet.

Ich verbinde damit nun auch Menschen.

Gesichter.

Gespräche.

Geschichten.

Vielleicht ist genau das eine der wertvollsten Seiten solcher Veranstaltungen.

Sie erinnern daran, was im Tagesgeschäft leicht verloren geht:

Hinter Schadenakten stehen Menschen.

Und hinter guten Entscheidungen meistens mehrere davon.

Von der Untersuchung zur belastbaren Entscheidung

Bei ILS Bau Consulting beschäftigen wir uns mit der strukturierten Untersuchung komplexer Schadenfälle und der Frage, welche Informationen für eine belastbare fachliche Entscheidung tatsächlich erforderlich sind.

Wo die Möglichkeiten einer klassischen Vor-Ort-Untersuchung enden, arbeiten wir bei Bedarf mit spezialisierten Partnern und Instituten zusammen. Denn gerade bei komplexen Ursachenfragen entsteht Qualität häufig nicht durch eine einzelne Disziplin, sondern durch das sinnvolle Zusammenspiel unterschiedlicher Kompetenzen.

Sie haben einen Schadenfall, bei dem eine reine Besichtigung nicht mehr ausreicht?
Dann kann geprüft werden, welche weiterführenden Untersuchungen tatsächlich sinnvoll sind.